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Aktuelles

16.09.16
Brand Gartenhaus, Am Euler
Kurz nach Mitternacht brannte es in einem Garten am Euler in Oberbrunnenreuth. Durch das Feuer wurden eine Gartenhütte samt Komposthaufen ... mehr lesen

14.09.16
Gasaustritt Regensburger Straße
Am Mittwoch gegen 10:25 Uhr wurden die Kräfte der Berufsfeuerwehr Ingolstadt zu einem Gasaustritt gerufen. Ein Bagger hatte ... mehr lesen

05.09.16
Schwerer Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person Goethestraße
Am Montagnachmittag wurde die Berufsfeuerwehr zu einem schweren Verkehrsunfall in die Goethestraße alarmiert. Auf Höhe des Automobilzentrums waren aus ... mehr lesen

24.08.16
Dachstuhlbrand eines Mehrfamilienhauses Weningstraße
Bei Eintreffen der Feuerwehr schlugen bereits meterhohe Flammen aus dem Dachstuhl des
fünfgeschossigen Gebäudes mit 15 Wohneinheiten. Die ... mehr lesen

Konzept zum Gefahrstoffnachweis bei Feuerwehreinsätzen im Großraum Ingolstadt

I. Allgemeines

Das Konzept der Feuerwehr Ingolstadt für den C-Gefahrstoffnachweis gründet im wesentlichen auf der Strategie einer überörtlichen Zusammenarbeit der Berufsfeuerwehr mit den Werkfeuerwehren der Region und den Feuerwehren der Bundeswehrstandorte Neuburg-Zell und Manching.
Ausgangslage für das 2004 entworfene und in den folgenden Jahren realisierte Konzept waren die schon fast zur Tradition gewordene Zusammenarbeit dieser Feuerwehren in Fragen des Brandschutzes in der chemischen/erdölverarbeitenden Industrie bzw. im Flugzeugbrandschutz und in der Automobilindustrie. Im Rahmen der „B 16-Schiene“ – benannt nach der die Region in West-Ost-Richtung querenden Bundesstraße – gab es durch regelmäßige Absprachen der Leiter dieser Feuerwehren bereits Konzepte zur gegenseitigen Unterstützung im abwehrenden Brandschutz, bei der Löschmittellogistik u.a.
 
Maßgebend für das Messkonzept in diesem „Arbeitskreis Gefahrstoffnachweis“ ist, neben den Bestimmungen der FwDV 500 bzw. der vfdb-Richtlinie 10/05, der Gedanke, dass gerade die Standorte, die einen Großschaden zu bewältigen haben, mit einiger Wahrscheinlichkeit keine Ressourcen mehr aufbieten können um einen eigenen, in sich geschlossenen Einsatzabschnitt „Messen“ darzustellen. So war es naheliegend, dass diese Aufgabe von den noch verfügbaren anderen Standorten übernommen wird.

Übersicht Standorte Messkonzept

Die im Jahre 2008 vollzogene Inbetriebnahme der Integrierten Leitstelle (ILS) Ingolstadt brachte es mit sich, dass die für die Alarmierungsplanung im Leitstellenbereich zuständige Planungsgruppe auf das hier beschriebene Konzept aufmerksam wurde. In Folge der Arbeit dieser Planungsgruppe werden seither verschiedene, mit Messgeräten ausgestattete Freiwillige Feuerwehren aus den Landkreisen in das bestehende Konzept integriert.

II. Taktische Ausrichtung des Arbeitskreises Gefahrstoffnachweis

Im Falle einer entsprechenden Schadenslage ist es Aufgabe der ILS, auf Stichwort oder auch auf Nachforderung einer Einsatzleitung einen Einsatzabschnitt „Messen“ durch Alarmierung der im Konzept vertretenen und verfügbaren Standorte zu gewährleisten. Maßgabe hierfür ist es, eine Einsatzabschnittsleitung (EAL) und primär vier Messtrupps in einem von der Einsatzleitung bestimmten Bereitstellungsraum zusammen zu führen. Der so zusammengestellte Einsatzabschnitt „Messen“ ist der Einsatzleitung unterstellt und arbeitet nach deren Weisungen.
Messkonzept Schema Abschnittsbildung

Stehen Erkenntnisse über Art und Umfang der Schadstofffreisetzung zur Verfügung, besteht bereits in einem sehr frühen Stadium die Möglichkeit, rechnergestützte Ausbreitungsprognosen zu erstellen. Allerdings stützen sich solche Prognosen auf Eingabeparameter (Freisetzungsrate, Wetter, ...) die niemals 1:1 der realen Lage entsprechen können. Somit sind diese Prognosen zeitnah durch echte Erkundungsergebnisse (Messungen, Sichtungen, Notfall-Probenahme, ...) zu verifizieren.

Es ist vorgesehen, dass die Einheiten im Abschnitt „Messen“ in einem Bereitstellungsraum eine angemessene Lageeinweisung (Schadstoff, Freisetzung, Gefährdungslage, allgemeine und besondere Risiken, ...) erhalten. Dazu gehören auch Absprachen über die im Einsatzabschnitt vorgesehene Kommunikation, ggf. Austausch von Karten-  und Planmaterial und dergleichen
 
Zur Qualifikation der Einheiten gilt als Mindestanforderung 
 
   - Einsatzabschnittsleitung:   Zugführer, Führungsgehilfe
   - Messtrupps:                       Zwei Atemschutzgeräteträger, im Umgang mit Messgeräten vertraut 
  
Positiver Nebeneffekt: einzelne Träger der Werkfeuerwehren verfügen über Sicherheits- bzw. Betriebschemiker, die binnen kurzer Zeit als Fachberater „Chemie“ zur Unterstützung herangezogen werden können. 


Mess- und Erkundungsergebnisse (Wahrnehmungen aller Art) werden im Einzelnen durch die Trupps (formlos) dokumentiert und zeitnah der EAL „Messen“ übermittelt. Die EAL erfasst eingehende Meldungen in Form eines Tagebuches und führt darüber hinaus eine aktuelle Lagekarte, deren Inhalt ggf. auch der Einsatzleitung/einem Lagezentrum vorgetragen werden kann.

Erkenntnisse aus dem EA „Messen“ fließen unmittelbar ein in die Entscheidungen der Einsatzleitung, z.B. bei
 
   - Festlegung des „Gefahrenbereiches“ „Absperrbereiches“
   - Auswahl an Schutzausrüstung für die Einsatzkräfte
   - Feststellung von Personen-, Geräte- und Gebiets-Kontaminationen
   - die Warnung/Entwarnung und Information der betroffenen Bevölkerung u.v.m. 

III. Messtechnik im  Arbeitskreises Gefahrstoffnachweis  

Die beteiligten Standorte verfügen über zahlreiche Messgeräte, die (nach FwDV 500) in die Spektren „Gasspüren“ und „Messen“ einzuordnen sind. Zur Analytik (Identifikation unbekannter Substanzen) sind überregionale Einheiten (z.B. Analytische Task Force der BF München) vorgesehen.
So werden derzeit alle gängigen Mess- und Nachweisgeräte vom pH-Papier über elektronische Mehrgas-Messgeräte (Ex-/Ox- + div. elektrochemische Sensoren bis hin zu einer Reihe von Photoionisations-Detektoren (PID) und Artikel zur „Notfall“-Probenahme vorgehalten.
 
Es ist Gegenstand des Konzeptes, dass alle Substanzen, die mit Geräten aus dem Arbeitskreis nachweisbar sind in einer zentralen geführten Datei erfasst wurden. Dadurch ist die Integrierte Leitstelle Ingolstadt oder aber eine Einsatzabschnittsleitung im Stande, nach Identifikation eines Schadstoffes zeitnah  die geeigneten Messgeräte (z.B. exotische Prüfröhrchen) zu disponieren.
 
Als Besonderheit kann an dieser Stelle erwähnt werden, dass 2007 das drahtlose Multigas-Messsystem „AreaRAE“ (nach dem Hersteller RAESystems) erstmals durch die BF Ingolstadt eingesetzt wurde. Es handelt sich dabei um Mehrgas-Messgeräte, die, mit einem Sender ausgestattet, Messergebnisse permanent über eine größere Reichweite an ein sog. Host-Modem senden.
Messkonzept Funktion Area REA
Das Host-Modem, mit einem PC zentral in der Einsatzabschnittsleitung positioniert, ermöglicht einen flächendeckenden und permanenten Überblick über die Schadstoffausbreitung in einem bestimmten Gebiet.
Messkonzept Funktionsweise Remote Area REA
Nachdem das System in 2007 bei der mehrtägigen Überwachung einer Großveranstaltung überzeugen konnte, wurden die Werkfeuerwehren des Arbeitskreises auf diese Technik aufmerksam. Ergebnis: der Arbeitskreis verfügt durch ein gemeinsames Beschaffungsprojekt mit Stand 2010 über 14 einheitlich zu betreibende Geräte und entsprechendes Zubehör.
 
Neben einer Reihe von Vorführungen und Feldversuchen hatte sich das System im Juli 2010 erstmals bei einem unangesagten Ereignis zu bewähren. In Pfaffenhofen/Ilm war ein Defekt an der Kühlanlage einer Brauerei aufgetreten, es wurde Ammoniak freigesetzt.
Insgesamt 7 Messgeräte wurden in der Peripherie in Stellung gebracht, die Messpunkte waren zuvor im Einvernehmen mit der Einsatzleitung vor Ort festgelegt worden. Ergebnis: die Einsatzleitung war während des Einsatzes und danach im Stande, lückenlos nachzuweisen, dass außerhalb der Einsatzstellenabsperrung keinerlei schädigende Konzentrationen aufgetreten waren.